{"id":7946,"date":"2017-03-27T13:33:36","date_gmt":"2017-03-27T11:33:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/product\/tipps-tricks-fuer-antifas-und-antiras-kopie\/"},"modified":"2020-07-19T05:26:48","modified_gmt":"2020-07-19T03:26:48","slug":"rote-hilfe-aussageverweigerung-en","status":"publish","type":"product","link":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/product\/rote-hilfe-aussageverweigerung-en\/","title":{"rendered":"Broschure Aussageverweigerung &#8211; Rote Hilfe"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eAnna und Arthur halten&#8217;s Maul!\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Manchen mag diese Parole veraltet, altbacken, nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df vorkommen. Dabei hat sich an den Hintergr\u00fcnden nichts ge\u00e4ndert: Nach wie vor sind wir als linke Aktivist_innen permanent mit staatlicher Repression konfrontiert und nach wie vor ist der einzig sinnvolle Umgang damit, die Kooperation mit den Repressionsorganen radikal abzulehnen.<\/p>\n<p>Unter dem Slogan \u201eAnna und Arthur halten\u2019s Maul\u201c entstand 1987 eine Kampagne der autonomen Bewegung zur Aussageverweigerung und gegen jegliche Zusammenarbeit mit staatlichen Repressionsbeh\u00f6rden, die bis heute zentraler Bestandteil linksradikaler Politik ist. Hintergrund war eine enorme Repressionswelle im Zusammenhang mit t\u00f6dlichen Sch\u00fcssen bei Protesten gegen die damals geplante Startbahn West am Flughafen Frankfurt, in deren Verlauf massiv Aussagen gemacht wurden. In der konkreten Situation ging es darum, weitere Aussagen vor allem aus den eigenen Reihen zu verhindern. Im Allgemeinen steht die \u201eAnna und Arthur\u201c-Kampagne bis heute f\u00fcr Solidarit\u00e4t und den Schutz unserer Bewegungen. Es ist so wenig verwunderlich wie neu, dass fortschrittliche Bewegungen zum Angriffsziel von staatlicher Repression werden. Die kapitalistische Profitwirtschaft und die zwangsl\u00e4ufig daraus resultierenden Ausbeutungs-, Unterdr\u00fcckungs- und Machtverh\u00e4ltnisse werden mit allen Mitteln verteidigt. Staatliche Repression ist also kein Skandal, sondern eine logische Konsequenz. Es geht nicht darum, uns immer wieder als Opfer staatlicher Ma\u00dfnahmen zu begreifen, sondern darum, uns auf staatliche Angriffe einzustellen und Strukturen zu entwickeln, die auf diese Angriffe re agieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Repression soll den Effekt haben, uns abzuschrecken, umzuerziehen und die \u00d6ffentlichkeit und den Staat als solchen vor uns zu sch\u00fctzen. Sie ist kein Fehler im System, sondern eine Eigenheit, die wir in unsere politischen Auseinandersetzungen mit einbeziehen m\u00fcssen. Umgang mit Repression bzw. Antirepressionsarbeit sind damit untrennbare Bestandteile linker Politik und nicht nur l\u00e4stiges Beiwerk, mit dem sich Betroffene, deren direktes Umfeld und einige Spezialist_innen auseinandersetzen m\u00fcssen. Es liegt an uns allen, unsere Strukturen vor staatlicher Repression so effektiv wie irgend m\u00f6glich zu sch\u00fctzen. Das funktioniert nur, wenn wir den Repressionsfall in unsere politischen Auseinandersetzungen einbeziehen und uns theoretisch und praktisch darauf vorbereiten. Ein Teil dieser Vorbereitung ist die Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir uns in der direkten Konfronta tion den Repressionsorganen gegen\u00fcber verhalten.<\/p>\n<p>Es ist selbstverst\u00e4ndlich, dass wir sie nicht in ihrer gegen uns gerichteten T\u00e4tigkeit unterst\u00fctzen. In der Praxis bedeutet dies konsequente Aussageverweigerung, sei es als Beschuldigte_r oder auch als Zeug_in. Polizist_innen, Staatsanw\u00e4lt_innen, Richter_innen und auch Mitarbeiter_innen der Jugendgerichtshilfe versuchen uns zum Reden zu bringen, damit wir uns und\/oder andere belasten und Informationen \u00fcber Strukturen offenlegen. Die eingesetzten Mittel k\u00f6nnen sehr unterschiedlich sein und reichen von freundlichen Gespr\u00e4chen \u00fcber verbalen und physischen Druck bis hin zu strafmildernden Angeboten oder auch Androhung von Strafversch\u00e4rfung. Lassen wir uns davon beeindrucken und geben Informationen preis, egal wie irrelevant oder harmlos uns diese erscheinen m\u00f6gen, machen wir uns nicht nur zu Gehilf_innen der Repressionsorgane, sondern legitimieren ihre Arbeit auch durch unsere Mithilfe. Es gibt keine harmlosen Aussagen!<\/p>\n<p>In weiten Teilen der Linken gilt Aussageverweigerung im Sinne von \u201eAnna und Arthur\u201c als str\u00f6mungs\u00fcbergreifen der Konsens. Sie wird an einigen wenigen Stellen aber immer mal wieder kritisiert und in Frage gestellt. Aussageverweigerung wird hier als dogmatisch und autorit\u00e4r verordnet abgeurteilt. Stattdessen wird die Position vertreten, dass es m\u00f6glich sei, Repressionsorgane bewusst in die Irre zu f\u00fchren oder auch etwas \u00fcber ihre Verfahrenslogik in Erfahrung zu bringen. Unterschiedliche Verh\u00f6rsituationen werden daf\u00fcr z. B. als gute Gelegenheiten beschrieben. Die Gefahren, die damit einhergehen, kommen bei diesen Auseinandersetzungen stets zu kurz oder werden gar nicht erst thematisiert. In jedem Gespr\u00e4ch mit Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht, Staatsschutz u. a. werden Informationen erzeugt, die f\u00fcr die Repressionsorgane entweder unmittelbar nutzbar sind oder R\u00fcckschl\u00fcsse auf Personen und Strukturen zulassen. Wer sich also auf eine \u201ePlauderei\u201c mit ihnen einl\u00e4sst und sie dabei selbstherrlich untersch\u00e4tzt, gef\u00e4hrdet in der Konsequenz nicht nur sich selbst, sondern zieht auch noch andere mit rein. Mit gelebter Solidarit\u00e4t hat das nichts zu tun!<\/p>\n<p>Auch wenn wir Aussageverweigerung als einzig sinnvolles Mittel im Umgang mit Repressionsorganen ansehen, sind wir uns bewusst, dass dies nicht immer und in jeder Situation umsetzbar ist. Es kann Situationen geben, in denen der von der Gegenseite ausge\u00fcbte Druck so wirkm\u00e4chtig ist, dass unsere psychische und vielleicht auch k\u00f6rperliche Verfassung es nicht hergibt, dem weiter standzuhalten. Wenn in einer solchen Situation Aussagen gemacht werden, ist es wichtig, diese nicht schambehaftet zu verschweigen, sondern zu thematisieren und einen offenen Umgang damit zu suchen. Auch hier hilft es, auf den Repressionsfall vorbereitet zu sein und dies immer wieder im eigenen politischen Zusammenhang zu thematisieren. Je mehr wir uns darauf verlassen k\u00f6nnen, dass unsere Genoss_innen sich um Notwendiges k\u00fcmmern, wenn wir beispielsweise einfahren, umso schwieriger wird es, uns unter Druck zu setzen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus bedeutet Vorbereitung auch, sich damit auseinanderzusetzen, was wir uns als Einzelne in bestimmten Situationen zutrauen und individuelle Grenzen abzustecken. Wenn wir ehrlich damit umgehen, wo uns etwas zu heikel ist, geraten wir seltener in \u00fcberfordernde Situationen. Der Wunsch nach Heldentum bringt ziemlich sicher uns selbst, aber auch andere in Gefahr.<\/p>\n<p>Die vorliegende Brosch\u00fcre thematisiert unterschiedliche Situationen, in denen Aussageverweigerung besonders wichtig ist und versucht somit einen Beitrag zur Vorbereitung auf eben diese Situationen zu leisten. Dar\u00fcber hinaus geht es darum, die Gefahren, die von Aussagen ausgehen, aufzuzeigen und so die individuelle Entscheidungsf\u00e4higkeit zu st\u00e4rken. Wir verordnen keine Dogmen und verpassen keine Maulk\u00f6rbe, vielmehr zeigen wir auf und begr\u00fcnden, warum Aussageverweigerung im Repressionsfall politisch sinnvoll ist. Wir hoffen, hiermit einen Beitrag dazu zu leisten, dass Aussageverweigerung weiterhin und noch mehr als integraler Bestandteil linker Politik begriffen und praktiziert wird. Konsequente Aussageverweigerung bei Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht und Staatsschutz ist nicht nur ein \u00e4u\u00dferst effektives Mittel zur Selbstverteidigung linker Strukturen. Sie ist dar\u00fcber hinaus auch ein offensives und starkes politisches Statement.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rote Hilfe e.V. (Hg.). 2016.<br \/>\nNeue, vollst\u00e4ndig \u00fcberarbeitete Ausgabe.<br \/>\nBrosch. A5, 68 S.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":7948,"template":"","meta":[],"product_brand":[],"product_cat":[49,47],"product_tag":[548],"class_list":["post-7946","product","type-product","status-publish","has-post-thumbnail","product_cat-books","product_cat-propaganda-en","product_tag-antifa-en","first","outofstock","featured","taxable","shipping-taxable","purchasable","product-type-simple"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product\/7946","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/product"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7948"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7946"}],"wp:term":[{"taxonomy":"product_brand","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product_brand?post=7946"},{"taxonomy":"product_cat","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product_cat?post=7946"},{"taxonomy":"product_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product_tag?post=7946"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}