{"id":65179,"date":"2024-10-04T16:20:46","date_gmt":"2024-10-04T14:20:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fireandflames.com\/?post_type=product&#038;p=65179"},"modified":"2025-11-29T14:53:47","modified_gmt":"2025-11-29T13:53:47","slug":"funken-feuer-revolutionaeres-deutschland-1919-1923","status":"publish","type":"product","link":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/product\/funken-feuer-revolutionaeres-deutschland-1919-1923\/","title":{"rendered":"Funken &#038; Feuer &#8211; Revolution\u00e4res Deutschland 1919-1923"},"content":{"rendered":"<p>Der Zeitraum, dem wir uns in dieser Brosch\u00fcre widmen wollen, schlie\u00dft an die Novemberrevolution 1918 und den unmittelbar darauf folgenden Januaraufstand 1919 an. Die Novemberrevolution war der st\u00e4rkste Ausdruck der revolution\u00e4ren Arbeiter:innenbewegung, den Deutschland je erlebt hatte. Der Kaiser samt seinem Regime ist verjagt und der Weltkrieg beendet. Die kapitalistische Ordnung war heftig ins Wanken geraten. Die Menschen in der jungen Republik \u2013 ob unmittelbar und aktiv an den Ereignissen beteiligt oder nicht \u2013 hatten die Erfahrung gemacht, dass die Welt ver\u00e4ndert werden kann. Eine geschichtliche Umw\u00e4lzung \u2013 komprimiert in einen sehr kurzen Zeitraum \u2013 konnte am eigenen Leib erlebt werden. Die Arbeiter:innenklasse hatte erfahren, dass Klassenkampf, proletarische Selbstorganisation und der Aufbau von revolution\u00e4rer Gegenmacht keine leeren Phrasen sind, sondern dass mit diesen Mitteln tats\u00e4chlich etwas bewegt werden kann.<br \/>\nDennoch war es in Deutschland nicht gelungen, die kapitalistische Ordnung zu st\u00fcrzen und die Staatsmacht zu erobern. Eine b\u00fcrgerliche Revolution hatte stattgefunden, sie war jedoch nicht in eine sozialistische Revolution hin\u00fcber gewachsen. Die revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte scheiterten, das Proletariat hatte eine Niederlage erlitten \u2013 vorerst.<br \/>\nDie Sozialdemokratie hatte einen Gro\u00dfteil der Arbeiter:innenklasse in die Irre gef\u00fchrt und unter den Einfluss des Opportunismus gestellt. Dieser Verrat wurde allen ersichtlich, die nicht ganz fest ihre Augen verschlossen. Bei ihnen \u201egl\u00fchte der Hass auf die Verr\u00e4ter und den Kapitalismus. Es ist nicht die Zeit f\u00fcr Kompromisse! Die Arbeiter stellen sich dem Kampf auf Leben und Tod gegen das System, die Freikorps und den Polizeiapparat\u201c.<\/p>\n<p>Eben dieses kapitalistische System sitzt 1919 noch nicht wieder fest im Sattel. Die Reaktion hat den Weltkrieg verloren, ist milit\u00e4risch geschlagen und damit das schw\u00e4chste Glied im internationalen imperialistischen Zusammenhang. Deutschland verlor ein Achtel seines Gebiets in Europa, seine Kolonien und seine Auslandskapitalien. Nach au\u00dfen ist es ohnm\u00e4chtig durch die Bedingungen des Versailler Friedensvertrages. Die Bourgeoisie ist geschw\u00e4cht, denn sie wurde in ihren Grundfesten ersch\u00fcttert. Sie hat aber ihre Macht behalten und die herrschenden Verh\u00e4ltnisse verteidigt. Chauvinismus und breitete sich aus, vor allem im Kleinb\u00fcrgertum. Am Klassencharakter des Staates, mit der Bourgeoisie als herrschende Klasse, hat sich zun\u00e4chst nichts ge\u00e4ndert.<br \/>\nDie Herrschaft der Reaktion ist zwar noch nicht wieder vollst\u00e4ndig hergestellt, sie r\u00fcstet jedoch schon zum Gegenangriff auf das Proletariat. Von \u00dcberprofiten au\u00dferhalb der eigenen Grenzen abgeschnitten, bleibt dem deutschen Kapital im Gegensatz zu den Siegern des Weltkrieges nur die eigene Arbeiter:innenklasse als Ausbeutungsobjekt. Aber ihm stehen teils bewaffnete und revolutionierte Volksmassen gegen\u00fcber, denen man zun\u00e4chst Zugest\u00e4ndnisse (z. B. den Achtstundentag) einr\u00e4umen muss, wenn man nicht die komplette Macht verlieren will. Das deutsche Kapital verlangt mehr als alle seine Konkurrenten nach einer Steigerung der Mehrarbeit, ist aber weniger als alle anderen dazu in der Lage, dies durchzusetzen. Das ist ein Grund f\u00fcr die vielen harten Klassenk\u00e4mpfe, die schnell von K\u00e4mpfen um Reformen in K\u00e4mpfe um die Macht hin\u00fcberwachsen. Antikommunismus wird in der Ideologie der herrschenden Klasse fest verankert. Sie muss, will sie an der Macht bleiben, die revolution\u00e4re Bewegung zerschlagen und rasch die b\u00fcrgerliche Republik aufbauen.<\/p>\n<p>Die Ereignisse im Herbst und Winter 1918\/19 hatten vor allem gezeigt, dass eine Revolution ohne eine entsprechende Organisation nicht vollendet werden konnte. Die Revolution\u00e4r:innen hatten sich das Werkzeug einer Kampfpartei geschaffen, das zun\u00e4chst jedoch eher einem zarten Pfl\u00e4nzchen glich, als einem ausgewachsenen Baum. Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ist zu Beginn eher ein unerfahrener und uneinheitlicher Haufen, als ein zusammenh\u00e4ngendes Gebilde. In ihr organisieren sich in den Anfangstagen Intellektuelle, K\u00fcnstler:innen, Linksradikale, aber kaum Arbeiter:innen. Die KPD befindet sich in der Aufbauphase und ist kurz nach ihrer Gr\u00fcndung in fast allen Landesteilen verboten, ihre Aktivist:innen arbeiten in der Illegalit\u00e4t und unter st\u00e4ndigem Verfolgungsdruck. Viele ihrer Anf\u00fchrer:innen wurden und werden verhaftet oder get\u00f6tet: Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg werden ermordet, Franz Mehring stirbt wenige Tage sp\u00e4ter, Leo Jogiches wird im M\u00e4rz 1919 ermordet, die Partei wird ihrer charismatischsten und hellsten K\u00f6pfe beraubt, sie wird regelrecht \u201eenthauptet\u201c.<br \/>\nSchon auf dem Gr\u00fcndungsparteitag der KPD am 01.01.1919 zeigen sich starke linksradikale Tendenzen. So herrscht zu diesem Zeitpunkt mehrheitlich der Glaube an eine spontane Erhebung des Proletariats, die zum unvermeidlichen Zusammenbruch des kapitalistischen Systems f\u00fchren werde. Die Erkenntnis, dass der Klassenkampf von der Partei organisiert und gef\u00fchrt werden muss und dass dabei an den Tagesforderungen der Massen angesetzt werden muss, hat sich noch nicht durchgesetzt. Die Mehrheit der Parteimitglieder ist gegen die Arbeit in Parlamenten und in den gro\u00dfen, bestehenden Gewerkschaften eingestellt. In der R\u00e4tebewegung wird der einzig g\u00fcltige Weg zur Neuordnung der Gesellschaft gesehen. Die Mehrheit ist damit linksradikaler und sektiererischer als die Initiator:innen der endg\u00fcltigen Abspaltung von der Sozialdemokratie und der kommunistischen Parteigr\u00fcndung.<br \/>\nDie KPD w\u00e4hnt das System in seiner Endphase und geht davon aus, dass neue K\u00e4mpfe um die Macht unmittelbar bevorstehen w\u00fcrden. Eine weitere Zuspitzung der Klassenk\u00e4mpfe werde innerhalb kurzer Zeit eine revolution\u00e4re Situation herbeif\u00fchren. Die Auswirkungen der momentanen Niederlage werden in dieser Einsch\u00e4tzung, wie auch der damit verbundene Bewusstseinsstand der Massen, aber nicht gen\u00fcgend beachtet. Zudem hat die junge Partei aktuell weder die Zeit, noch die erforderliche Erfahrung, die notwendige politische Vorarbeit f\u00fcr den Kampf um die Macht zu leisten.<br \/>\nNun geht \u201ees darum, die Partei aufzubauen und zu st\u00e4rken, eine Politik auszuarbeiten, die den Bedingungen des Kampfes in Deutschland entsprach, den Opportunismus in den Reihen der Arbeiterklasse zu \u00fcberwinden, die Bauern und andere Werkt\u00e4tige zu Verb\u00fcndeten zu gewinnen, sie alle in den Kampf gegen Imperialismus und Militarismus zu f\u00fchren und so auf die gro\u00dfe letzte Auseinandersetzung, die sozialistische Revolution, vorzubereiten. Das aber war schwer in Deutschland, bitter schwer.\u201c<br \/>\nDennoch wurde diese Aufgabe von tausenden Kommunist:innen angegangen. In der, von der Nachkriegskrise, der R\u00fcckkehr von Soldaten und Invaliden aus dem Krieg, Arbeitslosigkeit, Hunger und Inflation, sowie der st\u00e4ndigen Gefahr von Rechts gekennzeichneten Zeit bauen sie eine revolution\u00e4re Organisation auf. Diese muss sich und ihre Linie in den folgenden Jahren durch harte K\u00e4mpfe entwickeln. Sie muss die Theorie in der Praxis \u00fcberpr\u00fcfen und sie entsprechend anpassen. Sie wird sich irren, R\u00fcckschl\u00e4ge erleiden und wieder neu aufstellen. Sie entwickelt sich von einem verwegenen linksradikalen Gr\u00fcppchen zu einer Massenpartei. 1922 \u2013 3 Jahre nach Gr\u00fcndung \u2013 ist die KPD die gr\u00f6\u00dfte kommunistische Partei der westlichen Welt. Laut dem marxistischen Historiker Chris Harman sogar die \u201eeinflu\u00dfreichste und m\u00e4chtigste revolution\u00e4re Partei (&#8230;) die jemals \u2013 davor oder danach \u2013 in einer fortgeschrittenen Industriemacht bestand.\u201c<\/p>\n<p>Mittlerweile sind einhundert Jahre \u201eseit den heroischen K\u00e4mpfen vergangen, in denen die deutsche Arbeiterklasse versuchte, die Errungenschaften der Novemberrevolution zu verteidigen und unsere gute Sache zum Siege zu f\u00fchren. (&#8230;) Ein R\u00fcckblick mag belegen, was in dieser Periode alles geschehen ist, welche Opfer das werkt\u00e4tige deutsche Volk bringen musste (\u2026)\u201c. In dieser Brosch\u00fcre wollen wir diese harten (Abwehr-)K\u00e4mpfe und Aufst\u00e4nde der Arbeiter:innenklasse nachverfolgen, die in einem wechselseitigen Zusammenhang mit der rasanten Entwicklung der Kommunistischen Partei stehen. Welche Diskussionen und Auseinandersetzungen sich in dieser Partei entfalteten, wollen wir ebenso nachzeichnen.<br \/>\nDies tun wir, um die Geschichte \u2013 unsere Geschichte und die Geschichte unserer K\u00e4mpfe \u2013 dem Vergessen zu entrei\u00dfen. Dieses Vergessen geschieht nicht willk\u00fcrlich, sondern unsere Geschichte wird von den Herrschenden bewusst totgeschwiegen.<br \/>\nDie Auseinandersetzung f\u00fchren wir auch nicht aus rein historischem Interesse. Wenn wir uns unserer Geschichte bewusst sind, k\u00f6nnen wir aus den geschlagenen Schlachten, aus den Fehlern, die gemacht wurden, aus den Erfolgen, die erzielt wurden und aus den Fragen, die noch unbeantwortet sind, unsere Schl\u00fcsse und Lehren ziehen. So wird unsere Geschichte zu einer Waffe im Kampf f\u00fcr ein besseres Morgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/perspektive-kommunismus.org\">Perspektive Kommunismus<\/a> | Brochur | 76 pages | May 2024<\/strong><\/p>\n","protected":false},"featured_media":65181,"template":"","meta":[],"product_brand":[],"product_cat":[49],"product_tag":[],"class_list":["post-65179","product","type-product","status-publish","has-post-thumbnail","product_cat-books","first","instock","taxable","shipping-taxable","purchasable","product-type-simple"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product\/65179","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/product"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/65181"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65179"}],"wp:term":[{"taxonomy":"product_brand","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product_brand?post=65179"},{"taxonomy":"product_cat","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product_cat?post=65179"},{"taxonomy":"product_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fireandflames.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product_tag?post=65179"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}